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Zeitschrift für Spiritualität und Transzendentale Psychologie 2012, 2 (2)



Was ist Spiritualität?

Angelika B. Hirsch

 

 

 

Die Mani-Mauer

Gemeinsam mit meinem Mann und einem einheimischen Führer wanderte ich vor einigen Jahren in Nepal rund um das Annapurna-Massiv. Unser Begleiter vermittelte uns ein paar elementare Regeln im Umgang mit der hinduistischen und buddhistischen Kultur. Eine davon war: Mani-Mauern werden im Uhrzeigersinn umrundet. Und wer sie nicht umrunden will, geht doch jedenfalls immer so, dass sie rechter Hand sind. So wanderten wir Tag um Tag durch die atemberaubende Landschaft immer höher hinauf, redeten über Gott und die Welt und aßen um die Wette Chili. Eines Tages kamen wir in ein kleines Dorf. Ein paar Häuser klebten rechts am Hang, darunter ein schmaler Weg und die übliche, sorgfältig geschichtete Mani-Mauer. Ein paar Meter weiter fiel der Hang viele Hundert Meter fast senkrecht hinab. Ohne nachzudenken schlug ich den "richtigen" Weg ein - die Mauer zu meiner Rechten - und landete buchstäblich in der Scheiße. Die "richtige" Seite der Mauer war die Kloake des Dorfes, daran bestand kein Zweifel. Meine spontane Reaktion war Verwirrung gemischt mit Ärger: Wie können die nur! Dann schaute ich mich um und sah, dass es hier ganz einfach keine andere Möglichkeit gab, das Verdaute wieder loszuwerden. So war die heilige Mani-Mauer aus praktischen Gründen auch zum Schutzwall geworden, hinter dem man sich erleichtern konnte. Sie war genauso zum Kacken wie zur Andacht da. Also hatte man hier eben gegen den Uhrzeigersinn zu gehen.



Über die Autorin

Dr. Angelika B. Hirsch: Religionswissenschaftlerin, Autorin und Atemtherapeutin. Praxis: Die Ent-Wickler Fischer & Dr. Hirsch, www.ent-wickler.de





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Jahrbuch 2012