Zeitschrift für Spiritualität und Transzendentale Psychologie 2011, 1 (3) /
Journal for Spirituality and Transcendental Psychology 2011, 1 (3)



Rezension zu

Ulrike Schrott (2010): Maharishi Goodbye.
Salzburg: Edition Riedenburg.

E. W. Harnack




Der Gründer der Transzendentalen Meditation (TM), Mahesh Prasad Varma, genannt Maharishi Mahesh Yogi, polarisiert bis heute. Der einstige Guru der Beatles erscheint seinen Anhängern auch drei Jahre nach seinem Tod noch als unumschränkt erleuchtetes Wesen, als ein Heiliger aus dem indischen Bilderbuch, während seine Gegner in ihm einen Scharlatan und geldgierigen Verführer sehen, der vor allem an schamlos ausnutzbarer Macht, narzisstischer Befriedigung und Reichtum interessiert war. Jüngst gelang es David Sieveking in seinem bezaubernden Film „David wants to fly“ die Geschichte einer Ent-Täuschung vom Guru nachzuzeichnen: Dem anfänglichen Interesse am Lehrer seines geschätzten Vorbilds David Lynch kann der Filmprotagonist und Regisseur David Sieveking allmählich immer weniger folgen. Gegen Ende wird der Film zur Abrechnung mit dem Mythos des heiligen Mannes aus Indien, der Anhängerinnen verführt, Spendengelder veruntreut und so ein Millionen schweres Imperium an seine Familie vermacht haben soll. Eine in der Grundtendenz der Entzauberung ähnliche, aber doch ganz andere Geschichte erzählt Ulrike Schrotts Autobiographie Maharishi Goodbye. Schon auf den ersten Seiten wird klar: Ihr Bild von Mahesh, dem Maharishi, lässt sich nicht so leicht in eine der schwarz-weißen Schubladen stecken, die so ungemein erleichternd und deshalb bei der Reflexion des Fremden so verbreitet sind. Wenn Ulrike Schrott des Gurus Hände betrachtet, dann gieren diese nicht nach Frauen, Macht und Geld, nein, „diese Hänge strahlten Wärme aus. Ich sah sie Blumen entgegennehmen und liebevoll vor dem Bild von Guru Dev ablegen, ich sah diese Hände segnen und ruhig im Schoß liegen, ich sah, wie sie sich zur grüßenden Geste vor der Brust zusammenlegten… Ich sah nie, dass sie nach etwas griffen“ (11).


Denn im Unterschied zum Filmemacher Sieveking war Schrott nicht nur neugierige Beobachterin der TM, sie war als junge Frau in den 1970er Jahren eine engagierte Anhängerin des Maharishi, die sich ihrem Lehrer und seiner Lehre, wie viele andere auch, zeitweise vollkommen verschrieben hatte. Transzendentale Meditation als Institution des Maharishi wie auch als kontemplative Methode prägte und prägt in ihren Nachwirkungen Schrotts Leben bis heute. Und doch ist ihre jugendliche Vision eines Lebens für TM oder der erleuchtungsartigen Entwicklung des eigenen Geistes durch TM gescheitert. Im Unterschied zu grobgeschnitzten oder – wie im Fall von Sievekings Film – feinsinnigen Abrechnungen mit Maharishi fällt das Bild, das Schrott nachzeichnet, deshalb so vielschichtig und differenziert aus wie kaum etwas, was man in der Auseinandersetzung mit spirituellen Lehrern aus Ost und West zu lesen bekommt: Das Kopfschütteln über die heutigen horrenden Kursgebühren, die Zweifel am Guru, an der psychischen Unschädlichkeit seiner Methode, das Bizarre mancher TM-Adepten, all das kommt auch bei Schrott vor, bleibt aber als das stehen, was es ist: Fragen an eine nur scheinbar eindeutige Realität, die ratlos machen.


Schrotts Buch bleibt betont subjektiv und ist in dieser Subjektivität eben gerade so aufschlussreich, weil es schonungslos offen und ehrlich die Wahrheit sagt: die Wahrheit einer mittlerweile 67jährigen, die sich nicht zu schade ist, auch ihr gegenwärtiges Leben in aller alltäglichen Banalität – bis hin zum Toilettengang – dem Leser und der Leserin zu offenbaren. Stilistisch geschickt, wird die Gegenwart der Erzählerin eingeflochten, wird die jeweils erlebte Realität während des Schreibens zum Teil des Buches. Das verstärkt den Eindruck, dass hier Wahres, nicht Geschöntes, bis zum heutigen Tag berichtet wird – und die Distanz der heutigen Ulrike Schrott zur Perspektive der Vergangenheit scheint im immer wieder durchbrochenen Erzählstrang auf, wenn die damalige Begeisterung mit der heutigen Alltäglichkeit in Kontrast kommt, das vorläufige Ende der erzählten Geschichte dem Leser schon zu Beginn vorwegnehmend dämmert. Diese collageartigen Ausschnitte des Jetzigen vor den Hintergrund zerknitterten Papiers zu setzen und dadurch auch rein optisch vom Vergangenen abzuheben, ist ein Teil der sinnig-sinnlichen Buchgestaltung, die dem Verlag bei diesem Paperback geschmackvoll gelang. Und auch die Sprache der Autorin wirkt wie an der zeitgenössischen belletristischen Ästhetik bestens geschult. Unprätentiös und souverän gelingt es ihr, die richtige Metapher zu finden, die richtige Emphase zu setzen, die eigene Innenwelt in ausdrucksstarke Worte zu packen. Das erweist sich, wo sie das kaum Fassbare, das per se Unverständliche der extramundanen meditativen Erfahrung in verständlichen Worten und teilweise voller natürlicher Poesie und unerwarteter Plastizität ausdrückt.


Als Ulrike Schrott im Alter von einundzwanzig Jahren beginnt, sich für fernöstliches Gedankengut zu interessieren, experimentiert sie zunächst alleine mit einem Buch über Meditationstechniken. Schon damals gerät sie schneller als der durchschnittliche Anfänger in außergewöhnliche Zustände, die – wie sie schreibt – irgendwo zwischen wachen, schlafen und träumen lagen. Überschwemmt von der unkontrollierbaren Gewalt dieser Zustände bricht sie die Meditationen ab, bis sie auf eine TM-Lehrerin trifft und sich in die Technik einweihen lässt. Von nun an praktiziert sie nicht nur selbst TM, schon bald will sie nichts anderes als TM-Lehrerin werden und begibt sich im Januar 1970 nach Rishikesh, um dort vom Maharishi persönlich unterwiesen zu werden. Die Meditationsklausur verläuft turbulenter als geplant. Angesichts ihrer Begabung, schnell in außergewöhnliche Bewusstseinszustände einzutauchen, war allerdings auch nichts anderes zu erwarten. Während andere Kursteilnehmer stetig und friedlich ihre Mantren rezitieren, gerät die Protagonistin unversehens in einen Zustand der Aufhebung jener Selbstkontrolle, die wir als Hauptfunktion des Ichs ansehen – nur jenes Ich im Sinne eines Zeugen-Bewusstseins, das alle Reaktionen ihres Körpers und Geistes verzeichnet und erschrocken zur Normalität zurückzukehren versucht, bleibt ihr erhalten. An klassische Phänomene der Besessenheit und des Kundalini-Erwachens wird der Leser hier erinnert, wenn Ulrike Schrott schildert, wie sie von etwas, das nicht mehr sie selbst war, in Yoga-Stellungen manövriert wurde, die ihr zuvor unbekannt und physiologisch unmöglich erschienen waren oder gar hin und her geschleudert, in ein unentwegt sabberndes und rotzendes Häufchen Elend verwandelt wurde, unfähig zu schlucken, um den enormen Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Wer über das Verhältnis der Kontrolle von Körperfunktionen, Handlungen und einem vermeintlichen Ich-Zentrum des Geistes tiefgründig nachdenken will, sollte diesen subjektiven Erlebensbericht studieren. So plastisch haben bisher nur wenige[1] geschildert, was es bedeutet, wenn eine andere Macht die Kontrolle über den eigenen Körper und die eigene Wahrnehmungen übernimmt, während das verbleibende Ego versucht, sich mit aller Gewalt gegen diese Machtübernahme zu stemmen. Man muss diese Macht nicht personifizieren, aber wenn die Autorin schreibt, sie glaube – bis heute – nicht an Geister, „aber in dieser Nische [ihres Meditationsraumes; der Verf.] hatte sich eine Kraft geballt, die so wirklich war, dass ich sie nicht hatte leugnen können“, dann ist dies als phänomenaler Befund, als real Erlebtes, erklärungsbedürftig.


Als sie nach einer privaten Konsultation beim Maharishi aus diesem Zustand Stunden später – man weiß nicht, ob durch die Gegenwart des Gurus oder unabhängig von ihm – wieder in den der geteilten Normalität zurückkehrt, hat sich ihr Verhältnis zu ihrem Lehrer anscheinend vertieft. Hier zeigt sich die Bedeutung, die der Lehrer für den Meditationsschüler gerade dann gewinnt, wenn ein Teil des Schülers den (scheinbar) festen Boden der mundanen Realität bereits verlassen hat und mit den unsicheren geistigen Regionen in Kontakt gerät. Diese Funktion des Gurus als Wegweiser durch die Welt des Geistes kann er nur dann ganz ausfüllen, wenn er eben nicht allein als Mensch, sondern zugleich in seiner göttlichen Seite wahrgenommen, geliebt und verehrt wird. Er ist dem Schüler ganzer Gott und ganzer Mensch zugleich, und kann so die eigene sakrale Kraft im Schüler wie ein Kraftfeld kanalisieren. Während jede seiner sakralsten Handlungen für den Außenstehenden als einem banalen Geist entsprungen wirken, kann jede seiner banalsten Handlungen für den Gläubigen Ausdruck seiner Göttlichkeit sein. Und obwohl dieses Verhältnis zum Guru als Manifestation Gottes auch für Ulrike Schrott Realität wird, schildert sie uns doch jene kritischen Gedanken, die wir von einer nachdenklichen Frau aus dem Deutschland des 20. Jahrhunderts erwarten würden. Als es neben dem „Ausrutscher“ des dramatischen meditativen Ausnahmezustandes zu kleinen, symbolischen Brüchen mit dem Bild der perfekten Schülerin kommt, beginnen wir zu ahnen, dass ihr Verhältnis zum Guru und zu TM niemals ohne jene Ambivalenz sein wird, die einige Jahre und 40 Seiten später zum zweiten, noch dramatischeren Meditationserlebnis und zum äußeren Abbruch ihrer Beziehung zu Maharishi führen wird.  


Bei einem Retreat nämlich erlebt sie jenes Entschwinden des Konkreten der Realität, das ihr den menschlichen Geist wie eine Leinwand erscheinen lässt, auf die der Große Geist die Welt wie einen Film projiziert. Sie erlebt das Entschwinden des eigenen Ichs als Zentrum von Handeln und Fühlen so, dass ihr alle Menschen, inklusive ihrer selbst, wie an den Fäden eines göttlichen Marionettenspielers hängend erscheinen. Sie erlebt die Wahrheit indischer Religion, dass ein allwissendes, liebendes Wesen die Welt als großes Spiel eingerichtet hat, unmittelbar. Und sie scheitert bei dem Versuch, ihren Zustand dem einzigen Menschen verständlich zu machen, der ihn kennen, wertschätzen und verständnisvoll auffassen sollte: Der große Weise, Mahesh, der  Yogi, empfiehlt ihr statt dessen, den Nachhauseweg anzutreten und droht ihr, sie – andernfalls – in eine Irrenanstalt einliefern zu lassen. Über das Verhältnis von Wahnsinn und Mystik und die unterschiedlich verteilten Kompetenzen von spirituellen Lehrern und Psychotherapeuten diskutieren zwei andere Beiträge dieser Ausgabe von ZSTP. An dieser Stelle aber zeigt sich, wie sehr die Hoffnung auf den umfassend kompetenten, göttlichen Guru sich in zwei Aspekten paradox bricht: In der Unbestimmtheit des göttlichen Willens einerseits, dessen Ziel und Absicht uns selbst da verborgen bleibt, wo wir meinen, durchschaut zu haben, was dieser sein sollte. Und in der Seite des Menschlichen im Guru, der nicht immer zu wissen scheint, was er wissen sollte. Und dass beides sich in Personen wie Mahesh, dem Maharishi, zu kreuzen vermag, zeigt Schrott elegant auf, indem sie das Paradox bestehen lässt: Nein, der Guru war nicht in der Lage, einfühlsam, respektvoll und verstehend mit ihrem Zustand umzugehen. Er reagiert verbal grob, stellt sie vor anderen Jüngern bloß, weist sie von sich und scheint in der Tat nichts von dem verstanden oder selbst erlebt zu haben, was das Spirituelle an dem Erlebnis der Protagonistin im Einklang mit vielen traditionellen spirituellen Berichten ausmacht. Er erscheint in diesem Moment als jener inkompetente Scharlatan, als den ihn nicht nur christliche Apologeten zuweilen sehen. Und doch hat er mit seinen Grobheiten letztlich der Autorin den Weg zurück in die Heimat, in ein geregeltes Leben mit Beruf, Ehemann und Kind gewiesen, zurück aus der Katastrophe in die Normalität und nicht in die psychiatrische Klinik, die er ihr wie eine Mahnung mit auf den Weg gegeben hat. So scheint in einigen Begebenheiten, die Ulrike Schrott nebenher erwähnt, dann doch wieder das Übernaturhafte auf, das möglicherweise durch ihn hindurch trotz allem wirkt.


Wir stehen vor dem Paradox, dass einer, der auf der einen Ebene als der größte denkbare Betrüger erscheint, einer, der seine spirituelle Überlegenheit nur vortäuscht, auf einer anderen Ebene doch vom Göttlichen als Werkzeug benutzt werden kann, zumindest wenn die Person, die sich ihm als Schüler nähert, zugleich selbst mit dem Göttlichen in Verbindung steht. Dieses Paradox in eine von beiden Richtungen aufzulösen, diesen Gefallen tut uns Ulrike Schrotts Buch nicht. Es kommt ohne explizite Wertung aus. Auch dadurch ist es ein Stück Literatur, dass das deskriptive Element schon alles zu sagen vermag, dass die innere Entwicklung der Protagonistin und die äußere Realität ihres vergangenen und gegenwärtigen Lebens ohne abstrakten Diskurs alles ausdrückt, was zum Verständnis ihres eigentlichen Gegenstandes – nämlich TM und Maharishi, Meditation, fernöstliche Philosophie und religiöse Sehnsucht – erforderlich erscheint. So spricht sie auch nirgends die Antwort auf die Frage aus, wer der Maharishi denn nun wirklich war, die doch ihr eigenes kurzzeitiges Erleuchtungserlebnis nahe legt: Wir alle sind nur an Strippen befestigte Marionetten. Das Verhalten und die Wirkung des Maharishi zeigen, dass er vom göttlichen Strippenzieher eine besondere Funktion zugewiesen bekommen hatte, aber nicht, dass er selbst dieser göttliche Strippenzieher war.


Doch was bleibt der Autorin am Ende von allen meditativen Erfahrungen, vom Entrücktsein in Zustände, in denen nicht sie, sondern etwas Anderes am Werk war? Wie eine zentrale Lebensfrage steht die Ungewissheit im Raum, ob das, was ihr in außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen zuteil wurde, in seiner langfristigen Wirkung mehr war als nur ein Ausflug in eine andere Welt, ein psychedelischer Trip ohne psychotrope Substanz. Wie eine, die dem Tod ins Gesicht sah, und der sich nun die Welt der Anderen in all ihrer Relativität offenbart, so bleibt auch Ulrike Schrott offenbar verändert – ihrer Umwelt entfremdet und doch zu ihr gehörig – zurück. Wie der Seher in Platons Höhlengleichnis kann sie den Anderen nicht erklären, wie die Welt wirklich beschaffen ist, selbst wenn sie Worte dafür fände, denn den Blinden ist das Sonnenlicht nichts als Metapher, der Sehenden aber ist es Realität. Und doch kehrt auch sie danach in die Höhle zurück, lässt sich wieder fesseln von den Schatten und muss trotz des Wissens um jene Außenwelt dem nachgeben, was die Bedingungen eines Lebens in der Höhle fordern. Wäre es nicht möglich gewesen, ganz in der Freiheit der Sonnenwelt zu verbleiben? Offenbar nicht. Im Zen fragt man sich verschmitzt: Was kommt nach der Erleuchtung? Antwort: Den Abwasch machen! Die Erleuchtung ist nur etwas wert, wenn sie schon vorher in ein Leben eingebettet ist, an dem sich auch nach ihr nichts zu ändern braucht. Denn das Leben im Äußeren bleibt, nur der, der es lebt, hat sich verändert. Deshalb ist Erleuchtung ein Prozess, der mit der Reifung der Persönlichkeit, dem äußeren Lebensvollzug und der Schulung von spirituellem Wissen und höherer Weisheit untrennbar verbunden ist. Und meist ist ein einzelnes Erleuchtungserlebnis kein Garant dafür, dass ein wirklicher Prozess begonnen hat, der in den permanenten Zustand vollen Erleuchtetseins münden wird.[2]


Für eine forschende Psychologie der transzendentalen Wirklichkeit ist Ulrike Schrotts Lebensbericht zudem so aufschlussreich, weil er detailliert nachvollziehbar macht, welche Wirkungen eine verkürzte Übermittlung spirituellen Wissens auslöst. Das Schulungsprogramm des Mahesh war zwar eine durch und durch hinduistische Lehre – und nicht jene weltanschauungsfreie Psychotechnik, als die sie nach außen hin gerne verkauft wurde und wird. Aber das, was an hinduistischer Spiritualität zugleich mit der Meditationstechnik in den TM-Zentren weltweit vermittelt wird, beschränkt sich auf einige, für die meisten Adepten unverständliche Sanskritformeln zur Ausübung einer Guru-Puja, einer Anrufung des Lehrers des Lehrers. Die erscheint wie eine spirituelle Sicherungsleine, die der Maharishi eingebaut wissen wollte, denn die Anrufung des Meisters geschieht auch in der Hoffnung, dass dessen geistige Kraft den Schüler vor Schaden bewahrt. Das aber scheint entweder zu wenig gewesen zu sein oder konnte nicht funktionieren, falls Maharishis Meister, Guru Dev Brahmananda Saraswati, seinerseits dem Guru Mahesh seinen Segen zur Ausbildung von Schülern verweigert haben sollte. Von dieser Wirkungslosigkeit zeugen manche belegten und auch von Ulrike Schrott berichteten psychotischen Entgleisungen bei TM-Praktizierenden. Jedenfalls fehlt den TM-Initiierten eines allenthalben: nämlich die Einbindung ihrer Technik in ein Gerüst der Gesinnungsbildung und ethischen Motivation, des religiösen Handelns und der Alltagsgestaltung, der weltanschaulichen Einordnung und des theoretischen Verstehens. Gerade aber darin drückt sich die Tiefe und Weisheit der fernöstlichen Religionen – des Buddhismus wie des Hinduismus aus –, dass der ernsthafte Adept die „Psychotechnik“ der Meditation in einer Einbettung vermittelt bekommt, die ihn mit deren Effekten nicht allein lässt, sondern auffängt und die Integration dieser Effekte in einen gesamten Lebensvollzug möglich macht. Deshalb auch beginnt der traditionelle, langwährige achtgliedrige Yogapfad mit der Praxis des rechten ethischen Verhaltens und mündet erst zum Schluss in die letzten Vertiefungen der Meditation (vgl. den Beitrag von Vanamali Gunturu in dieser Ausgabe von ZSTP). Das gilt aber möglicherweise nicht weniger für andere Importe hinduistischer Meditationspraxis in den Westen (vgl. den Praxistext dieser Ausgabe zum Thema „Kriya Yoga“). Wer wissen will, welche Klippen und Gefahren, aber auch welche wahren Abenteuer eine unvorbereitete Reise in die Tiefen des Geistes birgt, wer sich nicht scheut, auch über die Folgen solcher Erfahrung für ein ganzes Menschenleben nachzudenken, dem sei Ulrike Schrotts (Er-)Lebensbericht wärmstens empfohlen.



[1] Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Berichte von Bernadette Roberts, Jenseits von Ego und Selbst, Freiamt 1993; Suzanne Segal, Kollision mit der Unendlichkeit, Bielefeld 1997, oder Gopi Krishna, Living with Kundalini, Boston 1993.

[2] Es ist hier nicht der Ort dafür, kann aber nicht deutlich genug betont werden, wie häufig heutzutage – vor allem in pseudo-esoterischen Kreisen – ein einzelnes Erleuchtungserlebnis mit der permanenten, vollen Erleuchtung eines Buddha oder Heiligen grob verwechselt wird (teilweise wohl absichtlich, um dadurch den Eindruck zu erwecken, man sei erleuchtet).