Zeitschrift für Spiritualität und Transzendentale Psychologie 2011, 1 (3) /
Journal for Spirituality and Transcendental Psychology 2011, 1 (3)


Spiritualität und soziale Verantwortung

Edgar W. Harnack

 

 

 

Der Lebensstil der westlichen Industriegesellschaften führt dazu, dass zwar nicht der Planet Erde, aber das menschliche Leben auf ihm langsam, aber sicher seiner eigenen Vernichtung entgegen geht. Und zugleich vernichtet ein Teil der Menschheit einen anderen bereits, indem sie nicht in Kriegen, nicht bei Bombenanschlägen, sondern – unbeobachtet von den Medien – immer noch in derselben altmodischen Weise Menschen unserem Wohlstand opfert, in der schon die Adligen des Mittelalters das Bauernopfer in schweren Zeiten brachten, um es sich selbst gut gehen zu lassen: Wir lassen sie einfach verhungern. Das Opfer scheint erlaubt zu sein und scheint für unser Empfinden und für die Sonntagsreden der Politiker in keiner Weise mit dem Recht auf Menschenwürde zu kollidieren, das doch allen Menschen von Geburt an zustehen soll. Menschenwürde erscheint uns als der Konjunktiv zu Menschsein. Unser Menschsein besitzen wir immer, es ist uns mit unserer Geburt in dieser Gattung unveränderlich mitgegeben. Dieses Menschsein, diese biologische und psychologische Existenz als Menschenwesen ist das eigentliche Grundrecht, das es zu schützen gilt. Jeder Mensch hat zunächst ein Recht auf Leben, weil die Negation dieses Rechts alle anderen Menschenrechte negiert. Menschenwürde ist dann fundamental die Anerkenntnis Anderer, dass der Einzelne das Recht hat, nicht nur konjunktivisch und potentiell, sondern faktisch zu sein. Wenn die Menschenwürde also unantastbar wäre, dürfte es keine Verhungernden mehr geben.
...



Weiterlesen / Proceed to the full text: