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Zeitschrift für Spiritualität und Transzendentale Psychologie 2011, 1 (1) /
Journal for Spirituality and Transcendental Psychology 1 (1), 2011



Editorial

 

Dieses erste Heft der Zeitschrift für Spiritualität und Transzendentale Psychologie erscheint – wie alle weiteren geplanten Hefte – primär online und mit offenem, kostenfreiem Zugang (ein gedrucktes Jahrbuch mit den wichtigsten Beiträgen ist jedoch nach Abschluss jedes Jahres geplant). Dadurch werden die hier veröffentlichten Beiträge einer breiten Leserschaft zugänglich gemacht. Dass wir dabei auch ein internationales Publikum im Blick haben, soll durch die Veröffentlichung einiger Beiträge dieser Ausgabe in englischer und deutscher Sprache zum Ausdruck kommen. Diese Tradition soll auch künftig fortgeführt werden. In jedem Fall begrüßen wir die Einsendung von Artikeln, die in beiden Sprachen verfasst sind. Nichts desto trotz ist die Tatsache, dass eine Publikation primär im Internet erscheint, keine Aussage über die Qualität ihrer Inhalte. Wir legen wert darauf, dass unser Niveau demjenigen anderer Journale von akademischem Rang vergleichbar ist. Dazu tragen gleich in der ersten Ausgabe die Aufsätze zweier namhafter theologiehistorischer Autoren bei: Gerhard Wehr und Bernhard Wegener sind beide renommierte Gelehrte, die auf eine umfangreiche eigene Bibliographie blicken können. Gerhard Wehrs Artikel Meditation als mystische Praxis führt in gewohnter Leichtigkeit durch die lange abendländische Geschichte der meditativen Praxis. Dass die Geschichte der Versenkung zum Göttlichen hin nicht allein die Geschichte Indiens ist, weist der Autor eindrücklich nach.

 

Bernhard Wegeners Aufsatz Der Heiligen Heil und Heilen führt ein ebensolches Projekt im Hinblick auf die Geschichte der christlichen Heiligenverehrung durch. Untermauert von zahlreichen, farbenfreudigen Belegstellen, zeigt der Autor die Ambivalenz auf, die den heutigen Betrachter angesichts der teilweise naiven, teilweise bewusst instrumentalisierten Frömmigkeitspraxis vor allem des christlichen Mittelalters überkommt. Dabei fällt er jedoch kein apodiktisches Urteil über den Heiligenkult, sondern bleibt beim historischen Phänomen und gesteht abschließend – ganz im Sinne des Postulats der transzendentalen Offenheit – die Möglichkeit zu, dass über die eigentliche Natur des Heiligen durch die Art seiner Verehrung noch nichts ausgesagt werden könne.

 

Wenn das erste Heft einer Zeitschrift an den Start geht – gleich ob sie primär im Print- oder im Onlineformat erscheint –, fragt sich der Leser, was das Spezifische dieses neuen Publikationsorgans ausmachen soll, welches besondere Profil es von anderen Angeboten unterscheidet, das seine Existenzberechtigung erst ausmacht. Und Herausgeber oder Redakteur fragen sich umgekehrt, welche Leser sie mit ihrem Medium finden werden. Leser und Zeitschrift müssen erst zueinander finden, und so ist es wesentlich, dass schon von Anfang an das Wesen dessen erkennbar wird, was uns von allen anderen unterscheidet. Dieses Wesentliche wird deshalb versucht, anhand der Beiträge darzustellen, die der Herausgeber für diese Ausgabe verfasst hat, beginnend mit der editorischen Einführung in die Thematik der Zeitschrift. Im ersten Aufsatz mit dem Titel Grundlegung einer Transzendentalen Psychologie wird ein Überblick dessen versucht, was – zumindest in diesem Journal – künftig unter dem Titel „Transzendentale Psychologie“ firmieren soll. Der Artikel ist eine allgemein gehaltene Einführung in die Thematik, gut geeignet für das psychologische Fachpublikum und für vertieft Interessierte.

 

Im zweiten Beitrag des Herausgebers, Ist Transzendentale Psychologie Metaphysik?, wird das Thema der Grundlegung einer Transzendentalen Psychologie fortgeführt. Hier werden zur Vertiefung des ersten Artikels die erkenntnistheoretischen Prämissen einer solchen Psychologie in zweierlei Hinsicht diskutiert: Im Hinblick auf die Unmöglichkeit, Psychologie sinnvoll als reine Metaphysik zu betreiben einerseits, und auf die Problematik des für die Transzendentale Psychologie wichtigen Begriffs der spirituellen oder transzendentalen Erfahrung andererseits. Dieser Artikel mag für das philosophische Fachpublikum wenig Neues zu bieten und für das psychologische Fachpublikum zu philosophisch geraten sein, ist also am ehesten für philosophisch und wissenschaftstheoretisch interessierte Laien und Fachleute aller Disziplinen konzipiert.

 

Im dritten Beitrag des Herausgebers, Gott erforschen statt Gott beweisen, wird die Grundlegung der Transzendentalen Psychologie vorläufig abgeschlossen mit einer methodologischen Überlegung: Welche Prämissen müssen erfüllt sein, welche Forschungsweisen und welche methodologischen Ausführungen muss der Begriff der Transzendenz erfahren, um in psychologischer Forschung überhaupt zugänglich zu sein? Während der vorherige Beitrag die grundsätzlichen philosophischen Einwände gegen ein solches Projekt behandelte, will dieser Aufsatz die Möglichkeiten einer transzendentalpsychologischen Forschung in ihren methodologischen Voraussetzungen aufzeigen und belegen. Das Interesse dürfte hier bei methodologisch-philosophisch vorgebildeten Sozialwissenschaftler(inne)n, Religionswissenschaftler(inne)n und Theolog(inn)en am größten sein.

 

Die übrigen Beiträge widmen sich den hiermit initiierten Reihen und regelmäßigen Themen der Zeitschrift, die in jeder Ausgabe zu finden sein sollen. In der Rubrik „Der Spirituality-Check“ soll die Frage beantwortet werden, was ein in im Zusammenhang mit Spiritualität auftauchendes Konzept eigentlich ist. Dabei geht es gleich zu Anfang um den Begriff Spiritualität selbst. In der regelmäßigen Reihe „Der Praxis-Test“ sollen Autoren die Gelegenheit haben, ihre subjektiven, aber möglichst nachvollziehbaren Erfahrungen mit praktischen Teilen der „spirituellen Szene“ zu schildern. Den Anfang macht der Herausgeber mit einem – zugegebenermaßen äußerst subjektiven – Eindruck aus einem Berliner Qi-Gong-Zentrum. In der Rubrik Kommentar und Rezension wird diesmal ein Buch besprochen, das seinesgleichen ebenso sucht wie seine Leser und gerade deshalb für uns interessant erschien.

 

Ich wünsche allen Leser(inne)n eine interessante und interessierte Lektüre und freue mich auf Ihre Kommentare und Beitragseinsendungen!

 

 

 

E. W. Harnack

  Herausgeber